1976 – 2025: Ein Rathaus schreibt Geschichte
Was vor über 50 Jahren mit einem ambitionierten Bauprojekt begann, erfährt nun eine umfassende Weiterentwicklung: Das Rathaus Abtsgmünd wird in den kommenden Jahren erweitert und umgebaut, um den gestiegenen Anforderungen einer modernen Verwaltung gerecht zu werden.
Ein Blick zurück: Ein neues Zentrum für eine wachsende Gemeinde
Was lange diskutiert wurde, wurde 1973 zur Realität: Abtsgmünd sollte ein neues Rathaus erhalten. Durch die Eingliederung der ehemals eigenständigen Gemeinden Hohenstadt, Laubach, Neubronn, Pommertsweiler und Untergröningen im Rahmen der Gemeindegebietsreform war das damalige Rathaus zu klein geworden. Bereits im Dezember 1971 beschloss der Gemeinderat, einen Architektenwettbewerb für den Rathausneubau auszurufen. 42 Entwürfe wurden eingereicht – neun davon schafften es in die engere Auswahl. Am 30. März 1973 tagte das Preisgericht in der Turn- und Festhalle und empfahl schließlich den Entwurf des Architekturbüros Kohn und Söll aus Geislingen/Steige. Die Umsetzung des funktionalen Verwaltungsgebäudes mit Sichtbeton begann kurz darauf. 1976 wurde das neue Rathaus im Baustil der Moderne („Brutalismus“) eingeweiht. Der so genannte „Brutalismus“ ist geprägt von der Verwendung von Sichtbeton, der Betonung der Konstruktion, simplen geometrischen Formen und meist sehr grober Ausarbeitung und Gliederung der Gebäude. Das Abtsgmünder Rathaus ist seither ein sehr markantes und funktionales Verwaltungsgebäude, das sich mit der breiten Glasfront im Großen Sitzungssaal im 1. Obergeschoss zum Rathausplatz öffnet. Manche Gebäude aus dieser Architekturzeit wurden bereits unter Denkmalschutz gestellt.
Ziel war es damals nicht nur, ein Verwaltungsgebäude zu errichten, sondern einen neuen Ortsmittelpunkt zu schaffen – ein Rathaus, das Polizei, Feuerwehr, Notariat, Bibliothek und Gemeindeverwaltung unter einem Dach vereint. Über die vergangenen fünf Jahrzehnte hinweg wurden verschiedene Einrichtungen, die ursprünglich im Rathaus untergebracht waren, an andere Standorte ausgelagert.
Die Bibliothek fand ein neues Zuhause in der historischen Zehntscheuer: ein charmanter, großzügiger Ort, der heute viel Platz für eine umfangreiche Medienauswahl, Veranstaltungen und Leseförderung bietet.
Das Notariat verließ das Rathaus und wurde in einem Wohn- und Geschäftshaus nördlich vom Rathaus untergebracht. Nachdem das Notariat aufgrund der Notariatsreform 2018 geschlossen wurde, sind mittlerweile in diesen Räumlichkeiten sechs Arbeitsplätze von Mitarbeitern der Verwaltung untergebracht. Diese sollen nach dem Umbau wieder ins Rathaus zurückkehren.
Die Feuerwehr und die Polizei sind heute gemeinsam mit dem Deutschen Roten Kreuz im modernen Rettungszentrum Abtsgmünd untergebracht – ein anspruchsvoll ausgestatteter Neubau, der den heutigen Anforderungen an Rettungsdienste und Sicherheitseinrichtungen gerecht wird. Für viele Fachleute hat das Abtsgmünder Blaulichtzentrum überörtlichen Modellcharakter.
Sanierungen im Laufe der Jahre
Bereits 1996 wurde ein Teil des Daches und der Betonfassade aufgrund von Wassereintritten saniert. Eine größere Sanierung folgte ab Oktober 2005. In zwei Bauabschnitten wurden sowohl die Außen- als auch die Innenbereiche modernisiert – darunter das Flachdach mit Begrünung, die markante Sheddachverglasung im Großen Sitzungssaal, die Kassettendecken, Bodenbeläge, Heizungs- und Lüftungstechnik sowie ein neues Behinderten-WC. Auch die Medientechnik in den Sitzungssälen wurde vollständig erneuert. 2009 wurden zudem weite Teile der Aluminiumfenster ersetzt – ein Punkt, der nun in der aktuellen Planung ebenfalls wieder aufgegriffen wird, um auch die restlichen Fenster, die noch von 1976 stammen, zu erneuern.
Heute: Neue Anforderungen, neue Lösungen
Ein halbes Jahrhundert nach dem Rathausneubau steht die Gemeindeverwaltung erneut vor großen Herausforderungen. Mit dem Auszug der Feuerwehr stehen Räumlichkeiten zur Verfügung, die angepasst werden müssen. Die Gemeinde ist in den letzten Jahrzehnten erheblich gewachsen: z. B. an Einwohnern, Betreuungs-, Schul- und Arbeitsplätzen und sonstigen Aufgaben wie Breitbanderschließungen – und somit auch an Herausforderungen innerhalb der Verwaltung. Die vorhandenen Büroflächen stoßen zunehmend an ihre Grenzen: stark steigende Teilzeitbeschäftigungen, zusätzliche Verwaltungsaufgaben und der Bedarf an moderner Arbeitsumgebung erfordern eine umfassende Neustrukturierung. Es sind rechnerisch keine zusätzlichen Personalstellen geplant. Die Vollzeitstellen teilen sich jedoch aber immer öfters in Teilzeitstellen auf.
Auch fehlt es generell an Besprechungsräumen, modernen Arbeitsplätzen, genügend Platz für Auszubildende und an dringend benötigten Technik-, Lager-, Garage- und Archivflächen.
Geplante Maßnahmen im Überblick
Die Planungen sehen vor, die bestehende ehemalige Feuerwehrgarage umfassend umzunutzen und aufzustocken. Dort entstehen insbesondere Büroräume. Gleichzeitig wird das bisherige Kulturamt wieder zur Doppelgarage zurückgebaut. Durch den Umbau und den Wechsel der Mitarbeiter aus dem Notariat fallen insgesamt 16 Arbeitsplätze weg. Der Umbau schafft insgesamt 20 neue Arbeitsplätze – effektiv also vier zusätzliche, die gezielt auf die zukünftigen Anforderungen einer Verwaltung ausgelegt sind.
Ein weiterer Fokus liegt auf der Verbesserung der Energieeffizienz: Die in die Jahre gekommene Heizung wird durch eine moderne Luftwärmepumpe ersetzt. Ebenso wird ein zweiter Rettungsweg geschaffen, um aktuellen Sicherheitsstandards zu entsprechen. Auch die 2009 noch nicht ausgetauschten Aluminiumfenster werden erneuert, um die Energieeffizienz des Gebäudes weiter zu steigern. Zudem soll eine PV-Anlage mit Batteriespeicher installiert werden.
Bauzeit, Kosten und Förderung
Der Umbau ist von Frühjahr 2026 bis Ende 2027 vorgesehen. Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 5,3 Millionen Euro. Da die Maßnahme im „Sanierungsgebiet Nord“ liegt, kann mit einer Förderung gerechnet werden. Während des gesamten Baus besteht nicht die Notwendigkeit temporäre Büroräume zu schaffen.
Ein Schritt in die Zukunft
Mit dem geplanten Umbau reagiert die Gemeinde Abtsgmünd vorausschauend auf die aktuellen und zukünftigen Anforderungen an eine moderne, leistungsfähige Verwaltung – und knüpft gleichzeitig an die visionäre Idee von 1976 an: Ein funktionales, bürgernahes und zukunftsgerichtetes Rathaus im Herzen der Gemeinde.








