Gemeinde Aktuell

Neues Teilhabechancengesetz im Ostalbkreis

Langfristig Perspektiven schaffen

Sie ist eines der großen Themen in Deutschland: die Langzeitarbeitslosigkeit.

Im Ostalbkreis sind aktuell 1.366 Menschen langzeitarbeitslos. Davon sind 1.087 Menschen im Arbeitslosengeld II - Bezug und werden durch das Jobcenter Ostalbkreis betreut.

Trotz bislang guter Arbeitsmarktlage gelingt es langzeitarbeitslosen Personen kaum, einen Arbeitsplatz auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu finden. Die Gründe sind u.a. fehlende Ausbildung bzw. mangelnde Bildung, Krankheiten o.a. Schicksalsschläge, mangelnde Deutschkenntnisse, aber auch besondere familiäre Situationen, die Unterstützung erforderlich machen.

Um diese Menschen wieder auf dem ersten Arbeitsmarkt zu integrieren, braucht es die Unterstützung durch die Politik. Eines jedoch ganz besonders: Die Umsetzung in der Praxis durch die Verantwortlichen nach dem Prinzip des Förderns und Forderns.

Durch das neue Teilhabechancengesetz, das seit Januar 2019 in Kraft ist, können Langzeitarbeitslose verstärkt in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung vermittelt werden. Ziel ist es, eine nachhaltige berufliche Eingliederung in das Arbeitsleben entsprechend der eigenen Fähigkeiten und Kenntnisse zu ermöglichen. Arbeitgeber erhalten Lohnkostenzuschüsse, wenn sie geeignete Arbeitsplätze für die Wiedereingliederung in den ersten Arbeitsmarkt bereitstellen. Während der Beschäftigung können Weiterbildungsmaßnahmen finanziell unterstützt werden.

Lohnkostenzuschüsse können je nach Voraussetzung entweder zwei Jahre oder fünf Jahre gezahlt werden. Bei der zweijährigen Förderung wird im ersten Jahr 75 % und im zweiten 50 % übernommen, bei der fünfjährigen Förderung die ersten zwei Jahre 100 %, danach wird der Zuschuss um jährlich 10 % - Punkte gesenkt.

Die Arbeitnehmer werden durch das Jobcenter weiterhin in Form eines Coachings betreut.

Durch gezielte Arbeitgeberakquise des Jobcenters ist es möglich, die Bereitschaft bei Arbeitgebern zu erhöhen, langzeitarbeitslosen Leistungsberechtigten eine Chance auf eine Arbeitsstelle zu geben und somit neue Perspektiven und eine nachhaltige berufliche Eingliederung in das Arbeitsleben zu ermöglichen.

Es geht darum, Menschen dort abzuholen, wo sie derzeit stehen. Nicht jeder Arbeitsplatz eignet sich für jeden Bewerber und oft braucht es mehrere Anläufe und Probearbeitstage, um zu sehen, dass es für beide passt und ein Arbeitsverhältnis zustande kommt.

Thomas Koch vom Jobcenter Ostalbkreis berichtet, dass bereits mehr als 50 Langzeitarbeitslose eine Beschäftigung bei privaten und gewerblichen Arbeitgebern sowie bei Trägern von sozialen Einrichtungen aufgenommen haben. Er hofft, dass viele Arbeitgeber nach Ende der geförderten Beschäftigung ihre Mitarbeiter in ein reguläres Beschäftigungsverhältnis übernehmen können.

Die Bereitschaft der Arbeitgeber zur Einstellung von Langzeitarbeitslosen ist groß, zahlreiche Arbeitgeber haben bereits ihre Zusage zur Einstellung von weiteren Bewerbern erteilt.

Außer der erfreulichen Anzahl von Vermittlungen stehen auch immer ganz besondere Erfolgsgeschichten dahinter:

Herr K. aus Ellwangen kann nach langjähriger Krankheit und umfassender Rehabilitationsphase seinen ursprünglich erlernten Beruf als Elektroniker nicht mehr ausführen. Dank des Teilhabechancengesetzes war es jetzt möglich, aufgrund seiner persönlichen Interessen und Erfahrungen im Gartenbereich eine Tätigkeit als Hausmeister und Pflege der Grünanlagen bei einem sozialen Träger zu finden. Er ist dort ebenfalls mit dem Winterdienst betraut und der Arbeitgeber „ist sehr zufrieden, so einen zuverlässigen und gewissenhaften Mitarbeiter gefunden zu haben, den auch alle Kollegen sehr gut in ihr Team integriert haben“.

Ein weiterer Erfolg in der Vermittlung durch das Jobcenter ist, dass Frau O. aus Schwäbisch Gmünd für ein Jahr in einem Kindergarten eingestellt wird, im Anschluss daran wurde ihr die Möglichkeit in Aussicht gestellt, eine Ausbildung zur Kinderpflegerin zu absolvieren.

Herr Albert aus Aalen hat nach langer gesundheitlicher Einschränkung eine Anstellung im Bauhof in der Gemeinde Abtsgmünd erhalten und „ist froh, wieder eine feste Struktur und neue Aufgaben zu haben und vor allem Verantwortung übertragen zu bekommen“. Er fühlt sich wohl im Team und ist von den Kollegen gut aufgenommen worden. Herr Albert arbeitet im Grünflächenbereich der Gemeinde und ist derzeit mit Mäh- und Freischneiderarbeiten, teilweise auch auf einer Hebebühne, beschäftigt. Zukünftig will er noch weitere Tätigkeiten erlernen und arbeitet gemeinsam mit Bauhofleiter Schrem an neuen Einsatzmöglichkeiten, wie z. B. den anstehenden Schneeräumungsarbeiten oder Pflanzarbeiten in den Abtsgmünder Wildblumenwiesen.

Bürgermeister Kiemel betont, „dass die Gemeinde Abtsgmünd mit der Beschäftigung von Herrn Albert einen aktiven Beitrag zur Umsetzung des Teilhabechancengesetzes leisten will.“  

Ein wichtiger Einsatzbereich von Herrn Albert sind die Abtsgmünder Wildblumenwiesen (v. l.): Bürgermeister Armin Kiemel, Martin Albert, Bettina Hansch, Firmenkundenservice Jobcenter, Tobias Braitinger, Integrationsberater Jobcenter, Hauptamtsleiterin Jana Hirth und Bauhofleiter Wolfgang Schrem.
Ein wichtiger Einsatzbereich von Herrn Albert sind die Abtsgmünder Wildblumenwiesen (v. l.): Bürgermeister Armin Kiemel, Martin Albert, Bettina Hansch, Firmenkundenservice Jobcenter, Tobias Braitinger, Integrationsberater Jobcenter, Hauptamtsleiterin Jana Hirth und Bauhofleiter Wolfgang Schrem.