Gemeinde Aktuell

70 Jahre Grundgesetz: Gemeinde Abtsgmünd lädt am 17. Mai zu einem außergewöhnlichen Abend

Es enthält die wichtigsten Regeln für Bürger und Staat. Es ist die Verfassung Deutschlands. Seine Bezeichnung jedoch lautet seit der Geburtsstunde der Bundesrepublik Deutschland bis heute „Grundgesetz“. Das ist die eine Besonderheit unseres Grundgesetzes. Die andere: Es wurde nie vom Volk verabschiedet. Und genau hier liegen die Besonderheit und die Verbindung zur deutschen Vergangenheit. Am 23. Mai 1949 trat das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland in Kraft. Im Zuge der Feierlichkeiten zum 70-jährigen Jubiläum und kurz vor den Europa- und Kommunalwahlen (26. Mai) lädt die Gemeinde Abtsgmünd zu einem ganz besonderen Veranstaltungsabend ein:
Auf den Spuren des Grundgesetzes geht es am 17. Mai ab 18 Uhr gemeinsam mit Bürgermeister Armin Kiemel, Landrat Klaus Pavel, Polizeidirektor Hans Buchinger, SchwäPo-Chefredakteur Damian Imöhl und weiteren Teilnehmern durch Abtsgmünd. Der einmalige Rundgang bietet Gelegenheit, sich einmal näher mit dem Fundament unserer Demokratie auseinanderzusetzen. Dann wird auch erklärt, warum Deutschland anstatt einer Verfassung „nur“ ein Grundgesetz hat, das nie vom Volk verabschiedet wurde. Denn seinerzeit, vor 70 Jahren, plädierten die Ministerpräsidenten der Länder beim Aufbau des neuen „Weststaates“ dafür, das geteilte Deutschland nur als vorläufiges Provisorium anzuerkennen und deshalb die Spaltung Deutschlands nicht durch eine Verfassung zu verfestigen. So kam es, dass in Deutschland anstelle einer „Verfassunggebenden Versammlung“  ein „Parlamentarischer Rat“ ein „Grundgesetz“ erstellte.
Um 20 Uhr eröffnet Dr. Julia Frank im Abtsgmünder Rathaus mit ihrem Vortrag: „Nur bunte Tupfer in der grauen Anzugswelt?“ die Ausstellung „Mütter des Grundgesetzes“, die dann bis zum 7. Juni zu sehen sein wird.
 
Die Veranstaltungen im Überblick:
 
Freitag, 17. Mai 2019: Auf den Spuren des Grundgesetzes durch Abtsgmünd
Treffpunkt: Rathaus Abtsgmünd  Zeit: 18 – 20 Uhr
70 Jahre Grundgesetz, das sind auch 70 Jahre Frieden in Deutschland. Kein Wunder, dass vielen Menschen unser Grundgesetz selbstverständlich erscheint. Dabei wäre unsere Demokratie ohne Grundgesetz nicht möglich – ein unschätzbarer Wert, der auf dem Spaziergang durch Abtsgmünd herausgearbeitet wird. Die in Artikel 1 bis 19 festgelegten Grundrechte garantieren die unantastbaren Rechte der Bürger gegenüber dem Staat, unter anderem Menschenwürde, freie Entfaltung der Persönlichkeit, Gleichberechtigung, Religions- und Pressefreiheit.
An verschiedenen Stationen werden beim Rundgang nicht nur ausgewählte Artikel vorgetragen, sondern von den jeweiligen Sprechern auch persönlich interpretiert. Dafür konnten prominente Persönlichkeiten wie etwa Bürgermeister Armin Kiemel, Landrat Klaus Pavel, Polizeidirektor Hans Buchinger und SchwäPo-Chefredakteur Damian Imöhl gewonnen werden, aber auch lokale Akteure der Schulen und Kirche sind mit dabei und machen unser Grundgesetz wieder „lebendig“.
Die Teilnahme ist kostenfrei, eine vorherige Anmeldung ist nicht erforderlich.
 
Freitag, 17. Mai 2019: Vortrag von Dr. Julia Frank: Nur bunte Tupfer in der grauen Anzugswelt? – Gleichberechtigung: Der weite Weg vom hehren Grundsatz zur Realität
Ort: Rathaus Abtsgmünd   Zeit: 20 – 20:30 Uhr
1949: Vier Jahre nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches wird in eindeutiger, unmissverständlicher Formulierung die Gleichberechtigung von Mann und Frau im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland verankert. Den revolutionären Charakter dieser Tatsache bewusst zu machen, ist Ziel des Vortrages von Dr. Julia Frank, denn: Weder gab es einen öffentlichen Diskurs zum Thema Gleichberechtigung, noch hatten die Mitglieder des Parlamentarischen Rates dieses Thema auf ihrer Agenda. Nicht nur die 61 Männer waren dagegen, auch die vier Frauen Frieda Nadig, Elisabeth Selbert, Helene Weber und Helene Wessel waren sich zunächst nicht einig. Sozialisiert im Kaiserreich und orientiert an der Weimarer Reichsverfassung waren sie alle in einem „naturrechtlichen“ Rollenverständnis der Frau befangen.
Letztendlich haben die vier Frauen, die man heute die „vier Mütter des Grundgesetzes“ nennt und die keineswegs den Prototyp der Frau im Nachkriegsdeutschland darstellten, sich die Durchsetzung des Gleichberechtigungsartikels zu eigen gemacht und gegen die geballte Mehrheit der Männer durchgesetzt. Dass die Lebenswirklichkeit in der Bundesrepublik allerdings noch eine andere war, zeigte sich im Verlauf der nächsten Jahre…. Diesen vier Frauen ist die Ausstellung „Mütter des Grundgesetzes“ gewidmet, die bis zum 7. Juni im Rathaus Abtsgmünd zu sehen ist.
Der Eintritt ist frei.
 
20. Mai – 7. Juni 2019: Ausstellung: Mütter des Grundgesetzes
Ort: Rathaus Abtsgmünd              
Öffnungszeiten: Mo. - Fr.: 8:00 – 12:00 Uhr; Mo., Di., Do.,: 14 – 16:00 Uhr; Mi.: 14 – 18 Uhr
Frieda Nadig, Elisabeth Selbert, Helene Weber und Helene Wessel – Frauen, die Entscheidendes bewirkt haben: Als die vier weiblichen Mitglieder des Parlamentarischen Rates erkämpften sie gegen den erklärten Willen der 61 männlichen Kollegen die Verankerung der Gleichberechtigung im Grundgesetz. Denn der Satz in Art. 3, Abs. 2 – „Männer und Frauen sind gleichberechtigt.“ war keinesfalls selbstverständlich, ihm gingen vielmehr heftige Diskussionen voraus. Ohne das Engagement der vier Frauen im Parlamentarischen Rat und der vielen Frauen, die sich in der Öffentlichkeit für die volle Gleichberechtigung stark machten, wäre es zu dieser Formulierung nicht gekommen. Diese war zwar viele Jahre nur Programm und keine Realität, aber eben auch die entscheidende Basis für Gleichberechtigung.
Die Ausstellung, die vom 20. Mai bis zum 7. Juni im Abtsgmünder Rathaus zu sehen ist, zeigt die Lebensbilder von Frieda Nadig, Elisabeth Selbert, Helene Weber und Helene Wessel und würdigt, was die vier politischen Weggefährtinnen in den ersten Jahren der Bundesrepublik für die Frauen durchgesetzt haben. Anlässlich der ersten Preisverleihung des Helene Weber Preises am 5. Mai 2009 wurde die Ausstellung konzipiert und ist seitdem in ganz Deutschland unterwegs.
Der Eintritt ist frei.
 
 

Auf den Spuren des Grundgesetztes geht es am 17. Mai durch Abtsgmünd. Außerdem erwartet die Teilnehmer ein Vortrag von Dr. Julia Frank zur Ausstellungseröffnung
Auf den Spuren des Grundgesetztes geht es am 17. Mai durch Abtsgmünd. Außerdem erwartet die Teilnehmer ein Vortrag von Dr. Julia Frank zur Ausstellungseröffnung "Mütter des Grundgesetzes".
Die Ausstellung
Die Ausstellung "Mütter des Grundgesetzes" zeigt die Lebensbilder der vier weiblichen Mitglieder des Parlamentarischen Rates. Sie ist vom 20 Mai bis zum 7. Juni im Abtsgmünder Rathaus zu sehen.