Gemeinde Aktuell

Von Syrien nach Abtsgmünd

Abtsgmünd, 11. März 2019 – Die Gruppe Abtsgmünd International hatte am vergangenen Freitag, den 8. März zur Veranstaltungsreihe „Mein Weg nach Abtsgmünd“ in die Zehntscheuer geladen. Dieses Mal berichtete Merwat Khalouf im Interview mit Natali Kirchmaier, wie sie vor dem Krieg aus Syrien geflohen ist und schließlich in Abtsgmünd-Untergröningen eine neue Heimat gefunden hat. Das Interesse war enorm und so mussten kurzerhand zusätzliche Stühle organisiert werden.
Merwat Khalouf erzählte eindrücklich, was sie und ihre Familie dazu bewegt hatte, aus ihrer Heimat, der syrischen Stadt Idlib, zu fliehen, wo sie ein gutes und glückliches Leben geführt hatten. Bis 2011 der Krieg kam, die Bomben fielen, das Café des Familienvaters enteignet und die Angst immer größer wurde. Gemeinsam mit ihrem Mann Salah Darkushi und den beiden älteren Kindern Mohammad und Hajer, die mit ihr auf dem Podium saßen, gab sie tiefe Einblicke in ihren bewegten Lebensweg: ihre Kindheit und Jugend mit sechs Geschwistern, die Hochzeit mit 17, das Haus, das sie kauften.
Aber sie berichtete auch, wie die Familie den Ausbruch des Krieges erlebte, wie die Angst einfach zu groß wurde. Zunächst wagte der Vater den gefährlichen Weg und drängte seine Frau nach der Ankunft in Deutschland, nachzukommen. Doch wie sollte das gehen – alleine mit vier Kindern? Als dann ihr Haus bombardiert wurde und die Familie nur überlebte, weil sie in der Nacht zufällig bei den Großeltern übernachtet hatte, fasste sie sich ein Herz und trat mit ihren Kindern am 15. Januar 2016 die Flucht an. Wie ihr Mann, nahm auch Merwat Khaluf die Balkanroute. In einer großen Gruppe von Flüchtlingen ging es zuerst nur nachts durch die türkischen Berge. Die kleinen Kinder hat sie getragen. Die zwei Älteren trugen die Taschen. In der Türkei versteckten sie sich acht Tage lang bis ein Boot gefunden wurde, das die Flüchtlingsgruppe über das Mittelmeer nach Griechenland brachte. Das war der gefährlichste Reiseabschnitt: drei Stunden im Boot bei stürmischer See. Viele haben geweint, vor allem die Kinder. Nach der Ankunft in Griechenland ging es besser. Durch Mazedonien, Kroatien und Österreich führte der Weg und endlich kamen sie in Deutschland an. Einen Monat lang war die Familie in der LEA in Ellwangen untergebracht. Danach konnten sie gemeinsam mit Vater Salah in eine Wohnung in Untergröningen ziehen. Die erste Zeit ohne Sprachkenntnisse, ohne Auto in einem Dorf war nicht einfach aber es gab tolle Helferinnen, die die Familie bis heute tatkräftig unterstützten. Die deutsche Sprache hat sie enorm schnell gelernt. Nur in einem Jahr schaffte sie die B1 Prüfung.
Sohn Mohammad und Tochter Hajer denken nicht gerne an die Zeit auf der Flucht zurück. Lieber schauen sie in die Zukunft, denn ändern könne man das Geschehene sowieso nicht, erklärt Mohammad. Alle vier Kinder sprechen inzwischen nicht nur Deutsch, sondern auch Schwäbisch – sie lernen das von Freunden, in der Schule oder, wie in Mohammads Fall, im Fußballverein. 
Was sich Merwat Khalouf für die Zukunft wünscht fragt Natali Kirchmaier zum Abschluss? „Unsere ehemals schöne Heimatstadt ist zerstört und wir haben zu viele liebe Menschen verloren“, sagt sie. Daher ist ihr Wunsch klar: Kein Krieg mehr in Syrien und Arbeit für ihren Mann und für sich.
Mit der Reihe „Mein Weg nach Abtsgmünd“ möchte die Gruppe Abtsgmünd International über die Gründe von Auswanderern informieren, ihre Heimat zu verlassen. Zudem sollen Menschen zu Wort kommen, die aus unterschiedlichsten Gründen, egal ob von nah oder fern, nach Abtsgmünd gekommen sind. Die nächste Veranstaltung findet am 25. Oktober 2019 um 19:30 Uhr statt. Der Eintritt ist frei.

Merwat Khaluof und ihre Familie erzählten von ihrer Flucht aus Syrien und wie sie in Untergröningen ein neues Zuhause gefunden haben. Im Bild v.r.n.l.: Merwat Khaluof, die nicht fotografiert werden möchte, daneben ihre Tocher Hajer, ihr Mann Salah Darkushi, Sohn Mohammad und Moderatorin Natali Kirchmaier. Bild Heidi Hahn.
Merwat Khaluof und ihre Familie erzählten von ihrer Flucht aus Syrien und wie sie in Untergröningen ein neues Zuhause gefunden haben. Im Bild v.r.n.l.: Merwat Khaluof, die nicht fotografiert werden möchte, daneben ihre Tocher Hajer, ihr Mann Salah Darkushi, Sohn Mohammad und Moderatorin Natali Kirchmaier. Bild Heidi Hahn.